Iris Wolff

Dienstag, 18. September 2018

Iris Wolff lässt in ihrem aus vier Erzählungen bestehenden Roman „So tun, als ob es regnet“ behutsam, eigenwillig und poetisch ein unbekanntes Siebenbürgen aufleben, das sie im Alter von acht Jahren verlässt. Der Titel des Romans bezieht sich auf eine rumänische Redewendung se face ca ploua: „Oh, wie schön es gibt die Möglichkeit eines inneren Rückzugs.”, also nach außen scheinbar geistesabwesend und unaufmerksam und doch ganz konzentriert das Abwesende bedenkend sein. Iris Wolff ist zuvorkommend, diszipliniert, charmant, feinsinnig und klug. Deshalb hören wir ihr gerne zu, wenn sie zum Ende des Romans eine Hauptfigur laut denken lässt:

„Alle Erinnerungen, alle Hoffnungen, Ziele und Ängste, die sich auf eine unbestimmte Zukunft richteten, waren nicht mehr von Bedeutung. Jetzt war sie hier. War es nicht genau das? Ging es nicht immer darum? Wer konnte sagen, ob ihr mehr zugestanden hätte, ob ein anderer Weg glücklicher gewesen wäre? Welche Entscheidung war wichtig, eine, die wirklich etwas bedeutete? Vielleicht war es zuletzt lächerlich gleichgültig. Jedes Ziel, jeder Wunsch diente dazu, irgendwo anzukommen, und wenn man nicht aufpasste, versäumte man den Moment, in dem man mit allen Sinnen spürte, wo man war. Es war einmal und ist doch nie geschehen, als die Pappel Birnen trug und der Weidenstrunk Veilchen, als die Wölfe die Lämmer küssten und die Bären mit ihren Schwänzen wedelten, als die Fliegen an der Wand schöner schrieben als die Mönche auf dem Berg Athos, und als man die Flöhe mit neunundneunzig Pfund Eisen beschlagen in den Himmel hinaufwarf: Von dort brachten sie die neuen Geschichten herab. Heddas Welt war die zwischen Wölfen und Lämmern, die, bei der man nicht sagen konnte, ob sie wahr oder erfunden ist, jene, die vor allem Endgültigen geschützt ist, weil sie nach außen hin kaum Tatsachen schuf, die nicht mehr rückgängig zu machen waren. Aber vielleicht brauchte es neunundneunzig Pfund Eisen, um die Leichtigkeit zu besitzen, mit neuen Geschichten zurückzukommen; jene Verschlagenheit, etwas mit aller Ernsthaftigkeit zu behaupten, was doch, wie jeder wusste, der einen Roman aufschlug, erfunden war.“

websLINE-Professional (c)opyright 2002-2019 by websLINE internet & marketing GmbH
Iris Wolff

Lebenslauf

Hier kommt von Sonja dann der Lebenslauf/Kommentar und die Informationen zum Autor. Eventuell auch eine Verlinkung zu der Seite / Blog / Social-Kanäle des Autors.