Unser Vater verbrachte seine Lehrzeit in Obergurgl im schönen Ötztal und erzählte uns als Kinder, wie die Gurgler Ache im Frühjahr zum Gurgeln anfing und welch Naturschauspiel dies für ihn war.
Wie auch immer, nicht nur im Ötztal, sondern auch bei uns in Thiersee gurgelt es. Will heißen, der Schnee schmilzt, die Eiszapfen tropfen von den Dächern, mit Rinnsalen löst sich der Winter auf und überall hört man das Rauschen des Wassers.

Wenn man in der Früh losstartet und dann in die Landschaft eintauchen darf. Oder wenn man oben steht und die absolute Ruhe spürt – das ist für mich vollkommen. Viele Gäste fragen, aus welcher Quelle wir unsere Kraft schöpfen. Am tiefsten und ehrlichsten lässt sich die Frage mit Bergerlebnissen beantworten. Schon lange geht es nicht mehr um den Berg mitten im großen Schigebiet, sondern es geht um die Einsamkeit, um das Stille, um das Karge und das Einfache rund um Hinterthiersee. Wenn wir auf den Berg gehen, sind die Wintergäste aus dem Tal verschwunden und das ganze Land ist ein einziges Orakel. Überall Schneefelder, Pfützen, Reste vom Winter, erste Sumpfdotterblumen und in all dieser Einzigartigkeit berührten jeder einzelne Stein, der Duft von nassem Moos oder sonderbare Zapfen, die am Wegrand liegen. Die Natur ist in dieser Zeit dermaßen reich, intensiv und einnehmend, dass man nicht mehr an die Welt unten im Tal denkt.
Der Frühling beginnt nicht mit einem Datum, sondern mit einem Gefühl.
Wenn die letzten Schneefelder langsam weichen, Bäche wieder lebendig werden und das Licht Tag für Tag heller wird, beginnt in Tirol eine ganz besondere Zeit. Die Natur erwacht mit erstaunlicher Kraft – und mit ihr oft auch wir selbst.
Zuerst entstehen kleine Rinnsale entlang der Wege. Die Schneeschmelze ist weit mehr als ein Naturereignis – sie ist das sichtbare Zeichen, dass die Landschaft nach Monaten der Ruhe wieder erwacht.
Während auf den Gipfeln noch Schnee liegt, zeigt sich unten im Tal bereits das erste Grün. Am Wegrand blüht der Huflattich, einer der ersten Frühlingsboten. Im Wald öffnen sich die Schneerosen, und die sonnengelben Sumpfdotterblumen verwandeln feuchte Wiesen in leuchtende Farbtupfer. Die ersten zarten Blätter der Birken entfalten sich und tauchen den Wald in ein frisches, helles Grün. Ihr feiner Duft und das sanfte Rauschen im Wind gehören zu den schönsten Frühlingsmomenten.
Im Juffing greifen wir diese besondere Jahreszeit bewusst auf. Im Rahmen unseres Besinnen-Beginnen-Programms führen unsere Morgenwanderungen dorthin, wo die Schneeschmelze besonders eindrucksvoll zu erleben ist. Wir folgen den klaren Bächen, besuchen den Stausee im Rahmen unserer Kraftplatzwanderung und erleben, wie die Natur jeden Tag ein wenig lebendiger wird.
Auch in unserer Spa- und Saunawelt begleitet uns der Frühling. Die Birke, seit Jahrhunderten ein Symbol für Neubeginn, Reinigung und Lebenskraft, steht in dieser Zeit im Mittelpunkt ausgewählter Rituale. Bei Birken-Aufgüssen, natürlichen Düften und wohltuenden Anwendungen erleben Sie die belebende Kraft dieses besonderen Baumes mit allen Sinnen. Schon früher wurde Birkenwasser als Frühlingselixier geschätzt, Birkenzweige fanden in nordischen Saunaritualen Verwendung und galten als Sinnbild für Erneuerung.
Wenn draußen das Schmelzwasser fließt und die Natur neue Kraft schöpft, entsteht auch in uns Raum für Veränderung. Das Licht wird heller, die Tage länger und jeder Schritt durch die erwachende Landschaft erinnert daran, wie gut es tut, Altes loszulassen und mit neuer Energie aufzubrechen.
Besinnen-Beginnen bedeutet, den Frühling nicht nur zu sehen – sondern ihn zu spüren.

Es gurgelt in der Kaiserklamm. Das Wasser ist rein und stark.
Bildquellen:
Bild 1 & 2 © Mallaun Ludwig
Bild 3 © Pupikofer Walter

