Räuchernächte & Kindheitserinnerungen

Aufgelöst in Schall und Rauch

Die Raunächte beginnen zu Weihnachten, dauern bis zum 6. Jänner und laut Legende stehen in diesen zwölf Nächten die Türen zwischen Himmel und Erde weiter offen als sonst.

Nach vorchristlichem Aberglauben treiben rund um das alte und neue Jahr Geister und Dämonen ihr Unwesen und das Räuchern an den Raunächten soll den dunklen Gestalten Einhalt gebieten.

Die bedeutendsten vier Raunächte sind die für uns unheimlichste und intensivste Nacht auf den 21. Dezember – die sogenannte Thomasnacht, die Nacht vom 24. auf den 25. Dezember, die Nacht auf den 1. Januar und die Nacht auf den 6. Januar. Das Räuchern dient der Reinigung, soll positive Energien in das Haus strömen lassen und böse Geister vertreiben. Mit dem Räucherwerk aus Pflanzen und Harzen geht der Räuchernde dreimal gegen den Uhrzeigersinn durch jeden Raum.

Beim Räuchern werden Kräuter wie Wacholder, Rosmarin, Salbei oder Thymian verwendet. Auch Fichte, Tanne oder Palmbuschen kommen zum Einsatz, ebenso wie Weihrauch und Myrrhe. Man braucht ein feuerfestes Gefäß mit Muschelsand und Räucherkohle, ein wenig Zeit und vor allem eine positive Einstellung.

Was in einer Raunacht geträumt wird, soll in den nächsten Monaten des neuen Jahres geschehen, wobei Träume vor Mitternacht ihren Bezug zur ersten Monatshälfte haben, Träume nach Mitternacht beziehen sich auf die zweite Monatshälfte.
HEILIGE RAUHNÄCHTE

Zeremonie des Räucherns

Die Zeremonie des Räucherns überspannt zwölf Raunächte – vom 24. Dezember bis zum Vorabend von Heiligdreikönig, also bis zum 5. Jänner. Glutstücke aus dem Ofen werden mit dem Schürhaken oder einer Kelle in ein feuerfestes Pfandl gestreift, dazu gibt man eine gute Portion Weihrauch. Je nach Talschaft oder Familientradition kommen Teile des Kräuterbuschens, der an Maria Himmelfahrt (15. August) geweiht wurde, dazu: Johanniskraut, Wermut, Beifuß und Schafgarbe. Oder man legt einen Zweig „Kranzn“, den im alpinen Raum weit verbreiteten Wacholder, auf die Glut. Beim Rundgang wandert man durch Wohnraum, Keller, auch Ställe und Wirtschaftsräume. Am langen Stiel schwenkt man das heiße, qualmende Gefäß und versprüht das Weihwasser.

IN ALLERBESTER ERINNERUNG BLEIBT UNS DAS RÄUCHERN AM BAUERNHOF DER OMA

 

Ein Gemurmel und ein Singsang, den wir nie und nimmer missen möchten. In lebhafter Erinnerung auch der blitzgrüne Teppich unserer Mutter im alten Hotel. Dieser hochwertige Axminster war frisch verlegt, ein Traum von einem Teppich in sattem Giftgrün, ausgesucht von einer Mutter im allerbesten Alter. Der Traum währte nur kurz, denn schon am ersten Abend rückten die Cousins zum Räuchern an, ausgerüstet mit einem alten offenen Bügeleisen, aus dem die glühende Kohle funkelte. Wir Kinder waren mit einer geweihten Kerze, Weihwasser und Streichhölzern ausgerüstet und zwischendrin blitzten die großen Augen der Kleinen, die noch nichts tragen durften.

Das Bügeleisen wurde geschwenkt und der Rauch wurde immer mehr statt weniger, wir starteten unten im Keller und die Reise ging hinauf bis in den vierten Stock. Dann plötzlich ein gellender Schrei der Mutter: Durch das stürmische Schwenken flogen Reste der glühenden Kohle auf den Teppich und es gab Brandlöcher, noch bevor die ersten Gäste das Hotel betraten. Es war eines der einprägsamsten Erlebnisse unserer Kindheit und über Jahre wurden wir durch die schwarzen Brandlöcher an die Thomasnacht erinnert. Als der grüne Teppich endlich wegkam, jubelten wir Kinder, und vielleicht ist deshalb bei uns im Hotel alles gelb, gold, rot, orange, blau, grau, braun, …

Man sagt, in diesen Nächten geht es nicht mit rechten Dingen zu.